Newsletter 'GfA Aktuell' Nr. 32 vom Oktober 2014

Nummer 32                                                             Oktober 2014

 

Verfasser:

Heinz Hütter, verantwortlich für Information & Kommunikation der GfA
huetter@gfa-forum.de Tel. 0821-51 54 03

 

Editorial: Über den Umgang mit Fehlern, Risiken und Ungewissheit

Wir leben in einer komplexen Welt, deren Gesetze immer schwerer zu verstehen sind. Experten in einzelnen Bereichen geben uns Erklärungen. Doch sind die Aussagen und Empfehlungen dieser Experten wirklich sicher - wenigstens einigermaßen sicher?

Auch und vielleicht gerade Experten schätzen Risiken falsch ein, treffen Fehlentscheidungen und geben uns falsche und untaugliche Ratschläge. Sollten wir uns von der Expertokratie befreien, um selbst und eigene Handlungsfähigkeit wieder erlernen und kultivieren? Drei Bücher, ein älteres, zwei neue, von namhaften Wissenschaftlern werden wir hier vorstellen.

 

Zum Inhalt

1.  GABAL Herbst-Impulstag 2014 in Mainz am 25.10.
2.  Kritischer Bestseller: Kahnemans „Schnelles Denken, langsames Denken"
3.  Optimistischer Bestseller? Gerd Gigerenzer fordert Risikokompetenz
4.  Ein skeptischer Bestseller?  Was Hirnforscher Pöppel über Dummheit denkt
5.  Was zählt nun: Intuition vs. Entscheidungstechniken?
6.  Diigo: Kein Verlaufen bei der Internet-Recherche mehr!
7.  Jing: „Ich erkläre Dir das mal in einem kleinen Video"
8.  XNote für Thunderbird: Endlich Notizen zu Mails erstellen
9.  Ihr Feedback ist erwünscht!

 

1.  GABAL Herbst-Impulstag 2014 in Mainz am 25.10.

GABAL Herbstimpulstag"Weiterbildung orientiert an Lebensphasen"- so das Motto des diesjährigen Herbstimpulstags unseres Partnervereins GABAL e.V. am 25.10. im InterCityHotel Mainz. Für jeden Einzelnen gilt heute: Zukunft sichern, sich auf Variation im Berufsleben vorbereiten.

Wie Sie sich als Trainer, Berater, Personaler auf diese Entwicklungen noch besser einstellen, darum geht es an diesem Impulstag. Als Referenten treten u.a. auf: Prof. Dr. Uwe Genz mit "Hirnforschung reloaded: Wie lernen wir wann?" oder Prof. Dr. Gerald Lemke mit "Zum Frühstück gibt´s Apps - Umgang mit der Digitalen Ambivalenz".

Hier das komplette Veranstaltungsprogramm mit allen Referenten. GfA-Mitglieder erhalten dieselben Konditionen wie GABAL-Mitglieder. Wenn Sie noch dabei sein wollen: Jetzt wird es Zeit, sich anzumelden!

 

2.  Kritischer Bestseller: Kahnemans „Schnelles Denken, langsames Denken"

Schnelles Denken, langsames DenkenErstaunlich, dass im Jahr 2002 ausgerechnet das Komitee für den Wirtschafts-Nobelpreis die Arbeit eines Kognitionsforschers auszeichnete: Daniel Kahneman beschäftigt sich mit der natürlichen menschlichen Arbeits- und Verhaltensmethodik. Seine Fragestellung: Folgen wir eher der Intuition
(„schnelles Denken"/"System1") oder eher der Vernunft ( „langsames Denken"/"System 2")?

Daniel Kahneman: Schnelles Denken, Langsames Denken. Siedler Verlag, München 2012, in unterschiedlichen Formaten erhältlich

Kahneman beschreibt eine Fülle von konkreten Fällen, die er in 40 Forscherjahren beobachtet, untersucht und gesammelt hat. Besonders interessieren ihn Verzerrungen in der Wahrnehmung und Fehler bei Situationsanalyse, Entscheidungen und Schlussfolgerungen. „Der Mensch ist es nicht gewohnt, scharf nachzudenken", lautet ein Kahneman-Fazit. „Oft lässt sich der Mensch von seinem Unterbewusstsein und der Intuition [des ersten Impulses, HH] leiten."

Viele Ratschläge kann (oder will) der kritische Er-Forscher seinen Lesern nicht geben. Sein Buch ist 624 Seiten lang, aber nie langweilig. Helmut Clemm, Ehrenpräsident der GfA, war auf jeden Fall so begeistert, dass er mehrere Vorträge über das Buch in GfA-Gruppen abhielt.

 

3.  Optimistischer Bestseller? Gerd Gigerenzer fordert Risikokompetenz

RisikoIn einer Welt der Ungewissheit genügt es nicht, auf Experten zu zählen und sich in der trügerischen Sicherheit aufwändiger Risikoberechnungen zu wiegen. So urteilt Gerd Gigerenzer, Professor der Psychologie und Direktor des Max-Planck-Institutes für Bildungsforschung in Berlin. Gigerenzer beschäftigt sich eingehend mit dem Forschungs­bereich intuitiver Entscheidungen und hat dazu bereits einige Sachbücher für Laien vorgelegt.

Die Welt der Experten ist voller Fehlentscheidungen. An Beispielen aus Medizin, Rechtswesen und Finanzwelt erläutert Gigerenzer, wie die Psychologie des Risikos funktioniert.

Risiken und Ungewissheiten richtig einzuschätzen kann und sollte jeder lernen, behauptet der Psychologe. Gigerenzer empfiehlt Risikokompetenz zu trainieren. „In bestimmten Situationen sollten wir uns auf Faustregeln und Intuition verlassen und stets kritisch nachfragen, wenn wir etwas nicht verstanden haben."

Gerd Gigerenzer - Risiko: Wie man die richtigen Entscheidungen trifft, btb-Verlag, München  2014

Auch wenn sich bei der Lektüre zumindest ein kritischer Blick auf unseren gesellschaftlichen Umgang mit Risikoentscheidungen entwickelt, wünscht man sich als Leser noch mehr praktische Empfehlungen. Mehr so erhellende Hinweise wie diesen: "Frage deinen Arzt nicht, was er Dir empfiehlt, sondern frage ihn, was er tun würde, wenn es seine Mutter, sein Bruder, sein Kind wäre."

 

4.  Ein skeptischer Bestseller?  Was Hirnforscher Pöppel über Dummheit denkt

DummheitIn Zeiten der rasanten Zunahme von Informationen gewinnt der einzelne Mensch nicht etwa an Wissen, sondern verliert es dramatisch. Intuitives Wissen, die Fähigkeit zur Selbstkontrolle, das Wissen um das menschliche Maß, Handlungswissen - was über Generationen überlebenswichtig war, werfen wir zugunsten von immer mehr und immer schneller über Bord.

Prof. Dr. Ernst Pöppel gilt als einer der führenden Hirnforscher Deutschlands. Provokant und wohl mit viel Kopfschütteln und etwas Wut im Bauch hat er dieses Buch mit seiner bewährten Koautorin, der Psychologin Beatrice Wagner geschrieben.

Ernst Pöppel und Beatrice Wagner - Dummheit: Warum wir heute die einfachsten Dinge nicht mehr wissen, Riemann Verlag 2013, 352 S., 17,99€

In sieben Exkursen veranschaulichen Pöppel und Wagner, warum wir in so vielen Bereichen so wenig wissen. Sie plädieren für die Intelligenz der Langsamkeit, der Pausen, des Unperfekten. Anhand von prägnanten Beispielen entlarven sie größenwahnsinnige Projekte, aber auch individuelle Dummheiten.

Bereits ein Interview mit den beiden Autoren auf der Verlagswebseite ist lesenswert. Gleiches gilt für eine Zusammenfassung von acht Thesen der Autoren in der Huffington Post und einen Podcast im WDR-Samstagsgespräch.

 

5.  Was zählt nun: Intuition vs. Entscheidungstechniken?

Die oben vorgestellten Bücher helfen uns, seien wir ehrlich, nicht unmittelbar bei konkreten Entscheidungen. Wertvoll ist, dass sie - jedes auf seine Art - sensibler für subjektive Faktoren machen, die Fehler und falsche Entscheidungen begünstigen. Bei allen dreien spielt Intuition eine herausragende Rolle, wenn auch mit unterschiedlicher Gewichtung. Gleichzeitig ermöglicht ihre Lektüre die Reflektion typischer eigener Entscheidungsprozesse („Das mach ich ja genauso!").

In ihDunja Langrem anspruchsvollen Konzept zur Risikokompetenz zeigt die Unternehmensberaterin Dunja Lang weitere Methoden auf, die den Umgang mit Risiken - also das Treffen richtiger Entscheidungen - deutlich verbessern können. Auch sie hält, aus praktischer Erfahrung, Risikokompetenz für erlernbar.

Wesentliche Werkzeuge der Entscheidungsvorbereitung sind neben der Sensibilisierung und der Reflektion eigenen Handelns ein stressbewältigendes Chancen- und Risikotraining und der Vergleich der Sichtweisen aller Beteiligten.Ihr Artikel aus der Projektmanagement-aktuell, der Zeitschrift der Deutschen Gesellschaft für Projektmanagement ist beim pm-forum Augsburg frei zugänglich.

Abschließend sei noch eine kleine sehr hilfreiche Technik für „die richtigen Entscheidungen im beruflichen Alltag" erwähnt. Die dort erwähnten vier Fragen verbessern sicher die Qualität Ihrer Entscheidungen.

 

6.  Diigo: Kein Verlaufen bei der Internet-Recherche mehr!

Diigo„Welche Seite wollte ich nochmals lesen? Wo war das interessante Zitat?" Recherche im Internet kann zu langwierigen Orgien auswachsen. Sehr hilfreich bei der Internetrecherche ist Diigo. Das Prinzip: Eine Webseite kann mit eigenen Kommentaren oder Hervorhebungen versehen werden. Auch bei späterem Besuch erscheinen Ihre Anmerkungen. Im erforderlichen Benutzerkonto lassen sich interessante Text- und Bildausschnitte oder Links von Webseiten in ‚My Library‘ sammeln und verschlagworten, so dass sie später konzentriert verwertet werden können. Und natürlich lassen sich Inhalte auch per Mail oder über Social Media gleich weiterleiten.

Einen Funktionsüberblick und erste Hilfe gibt die Tools-Seite

Die gut strukturierte Symbolleiste von Diigo mit allen Programmbefehlen kann  in den gängigen Browsern, auf Smartphones und Tabletts installiert werden. Bereits die kostenlose Version erleichtert das Einsammeln von Informationen und hilft, viele Irrwege im Netz zu vermeiden.

 

7.  Jing: „Ich erkläre Dir das mal in einem kleinen Video" 

JingLehrvideos sind im Privaten manchmal nützlich - für Lehrer, Trainer und andere Berufsgruppen sind sie eine ernstzunehmende Herausforderung der digitalen Welt.

Mit Hilfe eines Screenshots vom PC-Bildschirm lassen sich wichtige Hinhalte fotografieren, weitergeben und vermitteln. Noch mehr mit einem Video von Bildschirminhalten und -abläufen mit selbst gesprochenem Kommentar. Einen Einstieg in die Videoaufnahme bietet Jing, ein einfaches und kostenfreies Programm. Im Netz gibt es dazu kleine Lernvideos. Vorbildlich: Bereits nach dem ersten Lernvideo war das Programm zu verstehen.

Erscheint, nach dem Programmstart erst einmal eine kleine Sonne am oberen Bildschirmrand, ist Jing für jedermann leicht zu bedienen. 

Wem Jing zu einfach gestrickt ist, dem können vom selben Anbieter Techsmith die Programme Snagit oder Camtasia Studio empfohlen werden, die das Erstellen halbprofessioneller Videos erlauben.

 

8.  XNote für Thunderbird: Endlich Notizen zu Mails erstellen

XNoteUnter Menschen, denen Outlook zu teuer oder zu aufwändig ist, oder die Microsoft-Produkte einfach nicht mögen, ist Thunderbird eine beliebte Alternative als Mailprogramm. Manche Add-ons erweitern den Programmumfang, doch am wichtigsten ist mir dabei XNote. Mit dieser Ergänzung lassen sich direkt in der Listenansicht Notizen zu einzelnen Mails erstellen. Die quälende Frage: „Warum habe ich diese Mail aufgehoben, was wollte ich mit ihr machen?" wird durch XNOTE überflüssig.

Zum Installieren wählen Sie in einem Browser die Mozilla-Seite. Wenn Sie auf den Knopf „Jetzt herunterladen" klicken, finden Sie dort das weitere Vorgehen beschrieben. Nach der Installation und dem Aufruf von Thunderbird klicken Sie mit der rechten Maustaste in den Kopf der Mailliste und wählen XNote als weitere Spalte. Ziehen Sie diese am besten gleich nach links, bis sie links vom „Betreff" sitzt. Nun können Sie mit Rechtsklick auf eine Mail im Kontextmenü die Notizen-Erweiterung aufrufen.

 

9.  Ihr Feedback ist erwünscht!

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