Newsletter 'GfA Aktuell' Nr. 33 vom Dezember 2014

Nummer 33                                                         Dezember 2014

 

Verfasser:
Heinz Hütter, verantwortlich für Information & Kommunikation der GfA

huetter@gfa-forum.de Tel. 0821-51 54 03

 

Schwerpunkt dieses Newsletters ist das Thema "Führung".

Das zentrale Ergebnis der aktuellen Studie 'Führungskultur im Wandel' lässt aufhorchen: Rund 77 Prozent der deutschen Führungskräfte haben das Gefühl, dass die Art und Weise, wie Führung in Deutschland praktiziert wird, den Anforderungen nicht entspricht. Nicht den heutigen. Und erst recht nicht denen der Zukunft. Wollen Führungskräfte eigentlich ganz anders führen? Aber wie?

Anlass genug, das Thema „Führung" wieder einmal in den Mittelpunkt eines Newsletters zu stellen.

 

Zum Inhalt

1.  Prof. Kruse: Die Führungsmacht ist erschüttert
2.  Neuerscheinung: Barbara Schmidts „Erfolgreich führen mit innerer Macht"
3.  Daniel Goleman: Eine Enttäuschung und ein Klassiker
4.  Wandelweb: Ein Überblick über wertvolle Führungsinstrumente
5.  Führung altersgemischter Teams
6.  Smartphones: Vorstand lernt von den Azubis
7.  Gaviotas: Hoffnung und Nachhaltigkeit

 

1.  Prof. Kruse: Die Führungsmacht ist erschüttert

Prof. Dr. Peter KruseDie Zeit um und nach Weihnachten ist auch eine Zeit des Sich-Besinnens und der Neuorientierung für das kommende Jahr. Insofern eignet sich ein sehr anspruchsvolles und kritisches Interview mit Prof. Dr. Peter Kruse als Einstieg in die aktuelle Führungsproblematik.

Darin äußert sich der vielleicht bedeutendste Vordenker gesellschaftlicher Entwicklungen Deutschlands. Kruse behauptet, dass das Wirtschaftsmodell der Profitabilität überholt sei; dass wir unbewusst bereits die Notwendigkeit kulturell anderer Führung erkannt hätten. Die "Bewusstheit der Notwendigkeit" werde folgen.

Er fordert eine „grundsätzliche Neuorientierung der Wirtschaft" und spricht über das Unbehagen von Führungskräften in ihrer derzeitigen Rolle.

Konkreter wird Kruse in einem anderen Interview. Dieses finden Sie zum Nachlesen auch in einem Auszug aus managerSeminare. Wenn Sie das Thema berührt, finden Sie bei Youtube einer Fülle weiterer Statements von Prof. Kruse.

 

2.   Neuerscheinung: Barbara Schmidts „Erfolgreich führen mit innerer Macht"

B. Schmidt: Erfolgreich führen„Wenn die sozialen und zwischenmenschlichen Komponenten zu wenig berücksichtigt werden, verringern Passivität und Ängste der Mitarbeiter oft den Erfolg", so lautet das Urteil von Barbara Schmidt in ihrem neuen Buch. Frau Dr. Schmid, Soziologin mit Schwerpunkten in Sozialpsychologie und Psychologie, beruft sich dabei auf Erfahrungen, die sie in zwanzig Jahren als Coach und Organisationsentwicklerin gewonnen hat. Nicht die Macht der Führungskräfte an sich sei das Problem, sondern die Machtspiele, die daraus entstehen. Diese Machtspiele analysiert sie, empfiehlt den Ausstieg daraus und stellt dem eine „innere Macht" gegenüber. Schließlich zeigt sie auf, wie diese innere Macht entwickelt werden kann.

Dr. Barbara Schmidt - Erfolgreich führen mit innerer Macht - Machtspiele umwandeln, Springer-Verlag 2015, 24,99 €.

Barbara Schmid war übrigens etliche Jahre Leiterin der GfA-Gruppe Rhein-Neckar und ist vielen durch ihre Vortragsabende bekannt.

 

3.  Daniel Goleman: Eine Enttäuschung und ein Klassiker

D. Goleman: Emotionale FührungDer renommierte Psychologe Daniel Goleman ist einer der Väter der „emotionalen Intelligenz", eines wertvollen Konzepts über die psychosoziale Entwicklung des Menschen. Entsprechend viel mag man erwarten, wenn man den Titel seines neuen Buch liest: „Konzentriert Euch!: Eine Anleitung zum modernen Leben".

Sicher ist nicht uninteressant, was Goleman über die neurowissenschaftlichen Zusammenhänge von Konzentration, Fühlen und Denken schreibt. Doch insgesamt  erscheint das Buch selbst erstaunlich unfokussiert. Der Schreibstil verfällt immer wieder in den munteren Plauderton, den amerikanische Berühmtheiten anscheinend lieben. Seinem Titel wird dieses Buch jedenfalls nicht gerecht.

Stattdessen kann Führungskräften der Klassiker „Emotionale Führung", 2002 in den USA erschienen, ans Herz gelegt werden. Dieses ist klar, anregend und mit viel Empirie unterfüttert:

Daniel Goleman, Richard Boyatzis, Anne McKee - Emotionale Führung, Ullstein Taschenbuch, Berlin 2003.

„Die grundlegende Aufgabe von Führungskräften besteht darin, in den Menschen, die sie führen, positive Gefühle zu wecken. Das geschieht, wenn Führungskräfte Resonanz erzeugen - ein Reservoir an positiven Gefühlen -, das das Beste in den Menschen hervorbringt." Damit werde ein Klima geschaffen, das Motivation, Engagement und Kreativität fördert und ein Unternehmen langfristig zu überdurchschnittlichen Erfolgen führt.

Er stellt sechs Führungsstile vor, zwischen denen eine Führungskräfte je nach Situation wechseln sollte. Wesentlich ist dabei die Resonanz, die die Führungskraft bei ihren Mitarbeitern erzeugt. 

 

4.  Wandelweb: Ein Überblick über wertvolle Führungsinstrumente

Wandelweb.deViel Wissenswertes über Führung, Führungs- und Unternehmensmodelle finden wir auf der Seite wandelweb.de.  Optisch sehr ansprechend ist die Visualisierung in Concept Maps, die die Kerndaten zu einzelnen Methoden und Personen zusammenfassen: „Sinn stiften durch Zusammenhänge" ist das Motto.

Im Einzelnen werden erfolgreiche Methoden und Techniken wie der PDCA-Zyklus von William Edwards Deming, die Theory of Constraints (TOC) von Eliyahu Goldratt, Kaizen und viele weitere Modelle der Problemlösung und Unternehmensführung dargestellt. Die einzelnen Maps werden durch knappe Abrisse im Wandelweb-Blog ergänzt.

Wer sich mit diesen Themen befasst, kann z.B. durch ein Meditieren über der visuellen Darstellung der Zusammenhänge von Führung neue Erkenntnisse für die eigene Praxis gewinnen. Für Studenten der Betriebswirtschaft ist diese Seite ein wunderbares Repetitorium.

 

5.  Führung altersgemischter Teams

4managers-Schneider„Führungskräfte müssen den vorhandenen Grad der Leistungsfähigkeit und -bereitschaft der älteren Mitarbeiter richtig erkennen, einschätzen und geschickt mit den Befähigungen der jüngeren Teammitglieder verknüpfen.", dafür plädiert der Trainer und Coach Volker Schneider in der Online-Plattform 4managers.

In Verbindung mit einem zweiten Text „Altergemischte Teams optimal führen", dessen Link Sie auf dieser Seite finden, gibt der Artikel einen knappen und nützlichen Einstieg in die Führung altersgemischter Teams und nennt einige Anhaltspunkte für die praktische Umsetzung.

 

6.  Smartphones: Vorstand lernt von den Azubis

BrandeinsDie Erste Bank in Österreich hat Alt und Jung zusammengebracht. In Workshops, die "Entdeckungsreise Web 2.0?" heißen und in denen die üblichen Rollen von Mentor und Mentee vertauscht werden. Der Hintergrund: Die Erste Bank setzt seit 2012 stark auf Onlinebanking. Um zu verhindern, dass die Berater nicht weiterhelfen können, wenn Kunden beispielsweise Nachfragen zu Apps haben, stattete die Bank die Mitarbeiter mit Smartphones aus. Dass sich im Laufe der Zeit alle selbst mit den Funktionen vertraut machen würden, erwies sich jedoch als Irrglaube. Vor allem ältere Führungskräfte nutzten die Geräte so wie zuvor ihre alten Mobiltelefone: hauptsächlich zum Telefonieren. Statt für Schulungen nun externe Fachleute zu beauftragen, setzte die Bank auf ihre hauseigenen Smartphone-Experten: die Lehrlinge und Berufsanfänger. Nachzulesen ist ein Bericht darüber im Online-Magazin Brandeins:

Anmerkung: In vielen Haushalten wird dieses Weihnachten sicher ein ähnlicher Rollentausch zwischen Alt und Jung vorkommen, wenn es um die Bedienung all der neuen Smartphones und Tablets geht, die unterm Baum liegen werden.

 

7.  Gaviotas: Hoffnung und Nachhaltigkeit

Gaviotas-WandgemäldeWeihnachten gilt auch als Zeit, in der wir von einer besseren Welt träumen können. Wenn Sie etwas Muße haben, dann lesen Sie das Buch über Gaviotas, ein „Dorf der Hoffnung". Das Dorf wurde vor fast vierzig Jahren in einer unfruchtbaren Savanne Kolumbiens gegründet und hat mittlerweile eine nachahmenswerte Entwicklung genommen: Wenn am ­unwirt­lichsten Ort der Welt eine sich selbst ­erhaltende ­Gemeinde dauerhaft in Wohlstand und Frieden lebt, dann ist das überall möglich.

Alan Weisman - Gaviotas - Ein Dorf erfindet die Welt neu, Piper-Verlag München, 2012, 19,99 €.

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